Orfeo

Erzählt wird die Geschichte des Hans Bauer, einem Schweizer Textilfabrikanten im Ruhestand, der nach Venedig reist, um seine Frau Stella, von der er sich vor 40 Jahren getrennt hatte, wieder zu sehen. Er möchte herausfinden, was aus ihr in den letzten 40 Jahren geworden ist, denn er hat sie nie vergessen. Damals, nach der Rückkehr von einer Geschäftsreise verliebte er sich beim jährlichen Betriebsausflug auf einem Ausflugsschiff in Stella, die er bis dahin noch nicht gesehen hatte, weil sie erst seit kurzer Zeit in seiner Firma beschäftigt war. Wegen der Mesalliance zwischen dem Unternehmer und der Gastarbeiterin gab es viel Getuschel. Stellas Mutter war bei der Geburt des zweiten Kindes gestorben und der Vater kurz danach tödlich verunglückt. Deshalb wuchs Stella bei ihrer Großmutter auf. Die stammte aus Triest, war als Dienstmädchen nach Venedig gekommen, hatte eine glänzende Partie gemacht, aber das Vermögen ihres Ehemanns war bei unglücklichen Geschäften verloren gegangen. Die Ehe von Hans und Stella Bauer hielt nicht lang. Stella betrog ihren Mann; er verzieh ihr das nicht, und sie verließ ihn. Die Scheidung fiel mit der Krise in der Schweizer Textilindustrie zusammen. Nach dem Zusammenbruch des Unternehmens zog Hans Bauer sich auf den Bauernhof seiner Großeltern zurück und mied mehr und mehr die Gesellschaft anderer Menschen. Und nun sucht er Stella in Venedig in den Gassen und Restaurants der Stadt, auf den Plätzen und Brücken. Und er findet sie - verliert sie wieder und begegnet ihr in einem Rencontre, das völlig anders ausgeht, als er es sich je hätte vorstellen können. Nach einer Woche fahren sie auf Stellas Wunsch nach Triest. Während der Bahnfahrt nach Triest erinnert Stella sich an Janko, ihre große Liebe und erzählt von ihm. Als Stella ihm von Janko erzählt, der zwar längst tot ist, aber in ihren Erinnerungen weiterlebt, begreift Hans Bauer, dass er sie aufgeben muss: " Nun sah er, dass dieser Mann noch ganz gegenwärtig war in ihren Gedanken und Gefühlen. Dass da ein anderer ihr Herz beschäftigte, dieses Herz,das er so gern mit sich beschäftigt gesehen hätte. ... Und da er kein Mann war, der an einem Konkurrenzkampf (überhaupt an einem Kampf) Freude gehabt hätte, es außerdem auch noch geschmacklos gewesen wäre, gegen einen Toten anzutreten, nahm er sich, ohne ein Wort zu sagen, bereits wieder aus dem Spiel. (Seite 134) Und er fühlte, dass er diese sinnlose Suche endlich aufgeben sollte, diese sinnlose, zermürbende, herzzerreißende Suche nach einer Frau, die einmal seine Frau gewesen war. Dass er diese alte Frau endlich in Ruhe lassen sollte." (Seite 155). Hans Bauer beschließt, nach Zürich zurückzukehren. Am Abend vor seiner Abreise sitzen er und Stella in einem Straßencafé am Ufer eines Kanals. Schweigend sehen sie einer griechischen Fähre nach und stellen sich vor, in welches Abendlicht sie hinausfährt.

Handlungsorte

»Man vertraut einer Landschaft wie einem Freund.«
Thomas Hettche

Buchdetails

Handlungsorte
Zürich, Venedig, Triest
Buchdaten
Titel: Orfeo
Kategorie: Roman / Erzählung von 2007
LeserIn: Günter H.
Eingabe: 30.04.2016


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