Das Testament Donadieu

Die Originalausgabe erschien 1937 unter dem Titel "Le testament Donadieu", eine deutsche Ausgabe erstmals 1985. Ein recht dickleibiger Roman - zumindest für Georges Simenon, dessen Romane meist nur knapp den halben Seitenumfang besitzen. Der Leser wird auf den 544 Seiten in die Hafenstadt La Rochelle entführt, ein ruhiges Städtchen mit schmucken Häuserfassaden. Hier lebt die altehrwürdige Familie Donadieu, die zu den großen Reeder-Familien des Ortes gehört. Oberhaupt der Familie oder besser des Clans ist Oscar Donadieu sen. - ein Vorbild und eine Stütze der Gesellschaft. In dem stattlichen Haus in der Rue Réaumur, das einer Festung gleicht, wohnt er mit seiner Frau und seinen beiden jüngsten Kindern Martine und Oscar jun., dazu noch der älteste Sohn Michel und sein Schwiegersohn Jean mit ihren Familien. Alle Familienmitglieder stellen ihr Denken und Handeln in den Dienst der Firma.Eines Abends kehrt jedoch Oscar Donadieu von einem Klubbesuch nicht nach Hause zurück, vielmehr findet man seine Leiche einige Tage später im Hafenbecken. Unfall, Selbstmord oder gar Mord? Das wird nie geklärt. Als dann das Testament eröffnet wird, folgt die nächste Überraschung, denn Oscar Donadieu sen. hat seine Ehefrau quasi mit einer bescheidenen Rente enterbt. Das Riesenvermögen dagegen geht zu gleichen Teilen an seine Kinder. Das führt zu einem tiefen Riss quer durch die Familie. Doch Madame Donadieu lässt sich nicht kleinkriegen, sie übernimmt die Geschäfte. Konsequent verlangt sie, dass jedes Papier durch ihre Hände geht, sie nimmt selbst die Anrufe entgegen und leitet die monatlichen Konferenzen der wichtigsten Reeder der Stadt. Natürlich leiden die Kinder unter dieser Bevormundung und die Atmosphäre in dem Haus wird immer unerträglicher. Dann macht sich 17jährige Martine gemeinsam mit ihrem Liebhaber und Habenichts Philippe nach Paris davon. Auch Michel, der sich für einen Posten in der Stadt bewirbt, leistet sich einen Skandal: er schwängert seine Sekretärin. Allein Schwiegersohn Jean führt ein halbwegs geordnetes Familienleben, aber der ist ja nur ein Eingeheirateter.... Meisterhaft schildert Georges Simenon in "Das Testament Donadieu" den Untergang einer Familie, die im Laufe einer Generation zerrieben wird von unerfüllter Liebe, Skandalen, Verbrechen und Wirtschaftskriminalität. Es ist quasi Georges Simenons "Buddenbrooks".

Handlungsorte

»Lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten.«
Jean Paul

Buchdetails

Handlungsorte
La Rochelle
Buchdaten
Titel: Das Testament Donadieu
Kategorie: Roman / Erzählung von 1937
LeserIn: Günter H.
Eingabe: 06.08.2015


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