Juli Zeh

im Gespräch über Orte als Reservoir fürs Schreiben

Photo © David Finck

Frau Zeh, Ihr Roman Schilf beginnt mit der Lagebeschreibung der Stadt Freiburg. Warum haben Sie Freiburg als Kulisse gewählt?

Ich brauchte Berge, Fahrradfahrer und Menschen, die immer glauben, alles richtig zu machen. Außerdem kenne ich Freiburg ganz gut.

Handlungsort des Romans Spieltrieb ist Ihre Heimatstadt Bonn. Bonn und Freiburg sind mittelgroße provinzielle Städte. Nutzen Sie diese Idylle, um sie durch eine dramatische Handlung zu zerstören? Mit anderen Worten: haben Sie bewusst den Kontrast gesucht?

Natürlich. Es ist ja niemals Zufall, dass man einen Handlungsort wählt. Vor allem suche ich immer Städte aus, in denen ich wenigstens für eine gewisse Zeit gelebt habe, da es sonst schwer ist, sich in die besondere Atmosphäre eines Ortes einzufühlen.

Gehen Ort & Handlung, bzw. Orte & Protagonisten, in Ihrem Werk eine Beziehung ein? Oder sind geographische Kulissen für Ihr Werk von geringer Bedeutung?

Es gibt eine starke Beziehung, alles hängt zusammen. Für mich ist der Ort sehr entscheidend, da ich beim Schreiben stark visuell denke und deshalb meine Erinnerungen an diesen Ort ständig vor Augen habe.

Sie haben eine gewisse Zeit in Polen und New York gelebt. Tauchen die Orte in Ihrem Werk auf?

Polen kommt an einigen Stellen vor, New York nur in unveröffentlichten Kurzgeschichten. Es kann aber sein, dass das in Zukunft noch passieren wird. Meine Erinnerung an Orte ist ein großes Reservoir fürs Schreiben.

Haben Sie eine Sehnsuchtslandschaft?

Nein, außer jener, in der ich lebe.

Welche Bücher haben bei Ihnen einen besonderen Eindruck hinterlassen in Hinblick auf die Imagination von fremden Orten?

Ada von Nabokov, weil der Ort dieses Romans tatsächlich fiktiv ist: Ein fremder Planet, der unserem zum Verwechseln ähnlich sieht. Das hat mich stark beeindruckt.

Interview © Jens Nommel 04/2009

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