Kinderhochzeit

Hauptort der Handlung ist die fiktive Stadt Nieburg beiderseits des Rheins, die aber leicht als Rheinfelden zu identifizieren ist. Zwischen den beiden Städten links und rechts des Rheins, die den gleichen Namen tragen, zwischen der badischen und der Schweizer Seite der Stadt bestehen seit Jahrzehnten enge wirtschaftliche Beziehungen. Deren Entwicklung speziell im Dritten Reich interessieren im Roman den 40-jährigen Schweizer Historiker und Achim-Tobler-Forscher (Tobler gab es tatsächlich, er war 1933 - 1945 der Werksleiter der Aluminiumwerke in Rheinfelden) Klaus Marbach, der am 2002 erschienenen Bergier-Bericht (auch diesen gab es tatsächlich - er hat die historische und rechtliche Aufarbeitung der während des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz gelangten Vermögenswerte durch eine internationale Historikerkommission zusammengefasst), mitgearbeitet hat und nun die Geschichte des Nieburger ( sprich Rheinfelder) Unternehmens der Familie Bühler-Weiland untersuchen möchte. Diese Aluminiumfirma ist der wichtigste Arbeit- und Geldgeber der Region und beherrscht dadurch die ganze Stadt. Marbach besucht zunächst die Erbin des Unternehmens, Constanze Bühler-Weiland, 2003 an deren letztem Lebenstag in ihrem Chalet in Visperterminen. Sie berichtet ihm über die Anfänge und die Geschichte des Unternehmens und überlässt ihm ein stenographisches Notizbuch ihres Vaters Christoph Bühler aus dem Jahr 1923, in dem dieser bereits mit Hitler in Kontakt war, und das Original eines Zeitungsfotos aus dem Jahr 1949, durch das Marbachs Interesse geweckt wurde: Es zeigt einen Kinderumzug am 1. Mai, bei dem die Hochzeit aus Wilhelm Hauffs Märchen "Das kalte Herz" dargestellt wurde. Die Hauptdarsteller sind alle 1940 geboren und haben dieselbe Schulklasse besucht. Die Rolle der Braut hat Constanze Bühler-Weilands Tochter Imogen übernommen. Als Bräutigam hat sie nur den schlesischen Flüchtlingsjungen Iring Selber akzeptiert; die Honoratiorensöhne, die sie auf dem Bild umgeben, haben Nebenrollen erhalten. Als Marbach später die einzelnen Beteiligten dieses Festumzuges aufsucht, muss er feststellen, dass diese Herren samt und sonders seit ihrer Kinderzeit in Imogen verliebt waren und bis heute von dieser abhängig sind. Eine Stiftung zur Förderung Nieburgs, von der sie alle profitieren, wurde von Imogens Mutter großzügig finanziert. Iring Selber, schon als Kind ein Außenseiter, den Imogen später tatsächlich geheiratet hat, ist für diesen Kreis immer ein Feind geblieben. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Marbach sucht nach ihm. Es folgen nun auf über 500 Seiten viele Handlungsstränge, am besten: selbst lesen! Klappentext: "Klaus Marbach und seine Frau, die Juristin Manon de Montmollin, haben sich in der Arbeit am sogenannten Bergier-Bericht über die Schweizer Neutralitätspolitik im Zweiten Weltkrieg kennengelernt. Als sie sich trennen, setzt er seine Recherche im badischen Nieburg, im Herzen des Bühlerschen Aluminium-Imperiums, auf eigene Faust fort: "Das Böse in Nieburg, ich möchte wissen, wo es herkam und wie man ihm widersteht." Lange merkt Marbach nicht, dass er ausgezogen ist, das Fürchten zu lernen. Denn die Verstrickung der Kriegsgeneration und diejenige ihrer Nachkommen wird zu seiner eigenen. Es ist Imogen Selber-Weiland, die letzte der Bühler-Dynastie und Alleinerbin, die seine Nachforschungen protegiert und sich seiner Fantasie zunehmend bemächtigt. Bald gerät Marbach auch auf die Spur ihrer ehelichen Verbindung mit dem auf geheimnisvolle Weise abwesenden genialischen Schriftsteller Iring Selber... "

Handlungsorte

»Man vertraut einer Landschaft wie einem Freund.«
Thomas Hettche

Buchdetails

Handlungsorte
Rheinfelden (Baden), Visperterminen, Berlin, Görlitz, Herrnhut, Val Müstair, Rheinfelden (Argau)
Buchdaten
Titel: Kinderhochzeit
AutorIn: Muschg, Adolf
Kategorie: Roman / Erzählung von 2009
LeserIn: Günter H.
Eingabe: 16.12.2015


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