Ein von Schatten begrenzter Raum

Emine Özdamar (1946 geboren in der Türkei, wo sie in Istanbul eine Schauspielschule besuchte und erste professionelle Theaterrollen hatte) floh 1976 – auf der Suche nach einer „Pause von der Hölle“ - nach dem Militärputsch nach Deutschland, wo sie als Regisseurin und Schauspielerin an verschiedenen Theatern arbeitete (v.a. in Ost-Berlin und Bochum), außerdem auch als Mitarbeiterin von Benno Besson an Theatern in Paris und Avignon. In Bochum schrieb sie auch ihr erstes Theaterstück. Davon erzählt sie in ihrem autofiktionalen „Roman“ (wohl eher ein literarisch aufgeblähtes Tagebuch) „Ein von Schatten begrenzter Raum“. Im Jahr 2022 erhielt sie für ihr Gesamtwerk den Georg Büchner Preis: „Ihre Theaterstücke, Erzählungen und Romane verleihen der deutschen Literatur durch die Intensität ihres Erzählens und ihre herausragende Sprachkraft eine neue poetische Weite.“ (Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung) In der Laudatio von Marie Schmidt (Literaturredakteurin bei der SZ) erfährt man über diesen „Roman“: „Und dann kommt dieses monumentale Buch, in dem sie alles Bisherige noch einmal neu und umschreibt. … Und zur deutschen Literaturgeschichte gehört künftig maßgeblich der Teil des Romans, in dem erzählt wird, wie die Sortier- und Stempelmaschine des Betriebs, der Drang, alles in Säcke zu stecken, einer Schriftstellerin die Sprache raubt. Zumindest die deutsche. Dass sie sie wiedergewonnen hat, ist heute unser Glück. Gerahmt in diese Erfahrung ist nun der Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ eine große Umschrift und Wiederaneignung der Sprache und der Lebensgeschichten. … Was das heißt, nirgendwo mehr ankommen, beschreibt das Bild, das dem Roman den Titel gibt. Emine Sevgi Özdamars Roman-Ich wechselt als Theaterkünstlerin die Quartiere mit den Engagements, lebt hier mit und da. Nur die Schatten, die Tisch und Stuhl, die eigenen Arme und Beine werfen, beschreiben ihren Platz: „Deswegen sieht es nur dort, wo der Schatten gewachsen ist, wie ein Raum aus, wie ein von Schatten begrenzter Raum. Dadurch tritt nur dieser Teil des Zimmers in Erscheinung, der Schatten beschränkt sich darauf, der Frau, die am Tisch sitzt, die dieses Bild belebt, eine Daseinsmöglichkeit zu geben.““ – Wer diesem Urteil traut, darf sich durch mehr als 750 Seiten pseudoliterarischen Geplappers mit andauernden Wiederholungen von Belanglosigkeiten in oft schlechtem Deutsch (z.B. Dativ/Genitiv-Schwäche), vor dem das Lektorat des Suhrkamp Verlags offenbar hilflos kapituliert hat, quälen. Ist es „Sprachkraft“, wenn man ganze Absätze oder gar Seiten mit Wörtchen wie „boom“ (= im Krieg zerstörte Häuser“) oder „nicht-boom“ (= nicht im Krieg zerstörte Häuser) füllt? Das Bidet macht irgendwann „plopp, plopp, plopp“, Möwen und Menschen lachen absatzfüllend „ah ah ah ah…………“, „… sagte ich … nun nun nun nun….….. Ich pinkelte, hörte meinen Pinkelgeräuschen zu, als ob meine Pinkelgeräusche mir sagen sollten, was ich machen müsste.“ Bei der Lektüre dieses Buches macht die Hölle für den Leser jedenfalls keine Pause, zu dieser Erkenntnis kommt man auch ganz ohne Pinkelgeräusche. Dass sie die Sprache wiedergewonnen hat, ist unser Unglück.

Handlungsorte

»Umwege erweitern die Ortskenntnis.«
Kurt Tucholsky

Buchdetails

Handlungsorte
Istanbul (Konstantinopel, Byzanz), Berlin, Bochum, Ägäis (allg.), Ottignies-Louvain-la-Neuve, Paris, Avignon, Frankfurt am Main, München, Normandie (allg.), Lyon, Vassieux-en-Vercors, Düsseldorf, Izmir (Smyrna), Bergama
Buchdaten
Titel: Ein von Schatten begrenzter Raum
Kategorie: Roman / Erzählung von 2021
LeserIn: Faun
Eingabe: 20.06.2023


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