Abschied von den Feinden

Aus der Laudatio zum 2010 verliehenen Georg Büchner-Preis: „Mit „Abschied von den Feinden“ wurde er 1995 zum ersten Mal von einer etwas größeren Leserschicht wahrgenommen, im Alter von 42 Jahren. Da tritt dem Leser bereits seine ausgefeilte Textkörper-Struktur entgegen, und sie wurde sofort fälschlicherweise einer Gefolgschaft Arno Schmidts zugeschrieben. Die Genese von Jirgls Buchstaben- und Zeichensystemen, seiner Vorstellung vom physischen Charakter einer Buchseite ist jedoch eine ganz andere. Die frühesten Texte Jirgls sind stark szenisch geprägt. Er arbeitet mit Monolog- und Dialog-Fragmenten, die ihre Wucht aus antiken Vorlagen beziehen und mit zeitgenössischer Medien- und Popsprache kurzschließen. Wenn es da mit einem älteren Schriftsteller Berührungspunkte gibt, dann am ehesten mit Heiner Müller. Langsam arbeiten sich aus einer Sprachwüste spezielle, klandestine Zeichenschichten heraus, ein alles zersetzendes Theater, Trümmermonologe, die sich keiner dramaturgisch gängigen Form mehr fügen wollen. Was Jirgl in der DDR undruckbar machte und ihn vor allen Fährnissen kritischer Distanz fernhielt, von literarischen Kompromissen – das ist die Form. Mit seinen in uneinsehbaren Höhlen wuchernden Sprachstalakmiten entzog er sich dem staatlichen Zugriff von vornherein. In landläufiger Prosa, in realistisch und psychologisch vorgeformten Erzählhaltungen konnten in der DDR durchaus nonkonforme Inhalte veröffentlicht werden. Jirgls Inhalt aber war die Form.“ (Helmut Böttiger)

Handlungsorte

»Landschaft wird erst schön, wenn
Dichter sie beschreiben.«

Marcel Reich-Ranicki

Buchdetails

Handlungsorte
Mecklenburg-Vorpommern (allg.), Berlin
Buchdaten
Titel: Abschied von den Feinden
Kategorie: Roman / Erzählung von 1995
LeserIn: Faun
Eingabe: 08.09.2023


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