Im toten Winkel: Ein Hausbuch

Günter Kunert ist ein großer Bewunderer und Nachfolger von Montaigne und so enthält dieses Buch rd. hundert essayartige Texte, die meist sehr kurz sind, oft nicht mehr als eine Seite, man könnte diese auch als etwas längere Aphorismen bezeichnen (über ganz unterschiedliche Themen, wie z.B. Science Fiction, den Yeti, die Guillotine, Leichenfotografen, Radiohören oder Beruhigungsrituale). Einige der Stücke haben einen autobiographischen Bezug und damit auch einen Handlungsort, insbesondere Berlin, wo auch der längste Text spielt, „Erinnerungsstücke“: Kunert erinnert sich daran, wie er als Zehnjähriger den Kriegsbeginn 1939 in Berlin erlebt. „Mit dem 1. September 1939 legte sich nicht nur im metaphorischen Sinne ein vollständiges Dunkel über die Stadt. Für die nächsten sechs Jahre sollte es keine andere Straßenbeleuchtung mehr geben als Phosphorbomben, brennende Bauten, die zischenden Fackeln getroffener Gaslaternen, das fahle Licht aufgeregt den Himmel abtastender Scheinwerfer und den grellen Glanz der an Fallschirmen abgeworfenen Markierungsleuchten für Bomberpiloten.“ In diesem Dunkel erforscht Kunert mit Hilfe einer Leselampe die Literatur „Während draußen … Terror, sich als Normalität konstituierte, lebte ich in meiner Bücherwelt wie in einem Bunker.“ – Das sind sehr originelle und erkenntnisreiche Betrachtungen, die mit hintergründigem Humor und einer gewissen Leichtigkeit in tiefe Abgründe der absurden menschlichen Existenz eintauchen.

Handlungsorte

»Heimat entdeckt man erst in der Fremde.«
Siegfried Lenz

Buchdetails

Handlungsorte
Berlin, Capri, Baltschik, Mainz, Belfort, Xinjiang
Buchdaten
Titel: Im toten Winkel: Ein Hausbuch
Kategorie: Sonstiges von 1992
LeserIn: Faun
Eingabe: 22.03.2026


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