Der erste fiese Typ

Miranda July (geboren 1974 in Barre/Vermont, zurzeit in Los Angeles lebend) ist alles mögliche, v.a. Schauspielerin, Filmemacherin, (Performance)Künstlerin und Autorin. Ihre Werke wurden z.B. im Museum of Modern Art und auf der Biennale ausgestellt. Ihr Prosadebüt, „No One Belongs Here More Than You“ (deutsch: „Zehn Wahrheiten“), eine Geschichtensammlung aus dem Jahr 2007, wurde mit dem hochdotierten Frank O’Connor-Preis ausgezeichnet. - In ihrem ersten Roman, „The First Bad Man“, arbeitet die Ich-Erzählerin und Hauptfigur, die alleinstehende, eher unscheinbare und tendenziell depressive Mittvierzigerin Cheryl Glickman, in einer leitenden Position bei „Open Palm“ (deutsch: Offene Handfläche), eine als gemeinnützig anerkannte Einrichtung, die Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mädchen anbietet, eigentlich aber profitgetrieben Fitness-DVDs (quasi getarnt als Selbstverteidigungs-Lehrvideos) vertreibt. Seit einiger Zeit ist sie heimlich bzw. unglücklich in den 22 Jahre älteren Arbeitskollegen Phillip Bettelheim verliebt. Dieser beginnt aber eine Beziehung mit einer 16-Jährigen, deren Fortschritte er Cheryl regelmäßig per Textnachricht mitteilt (z.B. „Bad. Gegenseitiges Einseifen aber nichts weiter.“). Abgesehen bildet sich Cheryl ein, mit jedem Baby, das ihr begegnet, Gespräche zu führen, in denen sie diese Babys regelmäßig um ihre Rettung anflehen. Als die unterwürfige Cheryl widerwillig der Bitte ihres Chef-Ehepaares nachkommt, deren 20jährige Tochter Clee für eine Zeit lang in ihre eigentlich zu kleine Wohnung aufzunehmen, gerät sie endgültig an den Rande eines Nervenzusammenbruchs, denn Clee ist ein gewalttätiger Messie ohne Benehmen und mit dürftigen Hygieneansprüchen. Der Roman artet in der Mitte vorübergehend in eine surreale Gedankenwelt aus, bevor sich herausstellt, dass Clee schwanger ist und einen Jungen zur Welt bringt. Cheryl verliebt sich daraufhin in Cheryl, ergeht sich in diesbezüglichen sexuellen Phantasien, besucht mit ihr die Geburtsvorbereitungskurse und kümmert sich schließlich mit Clee auch um das Baby kümmert, das unter dem Mekoniumaspirationssyndrom leidet und im Krankenhaus an Schläuchen angeschlossen ist. Davon handelt im Wesentlichen die zweite Hälfte des Romans. – Wem das noch nicht reicht, mag auch die meist positiven Rezensionen lesen, wie z.B. : „In ihrem Roman „Der erste fiese Typ“ erzählt Miranda July von Cheryl, einem verrückten Mauerblümchen. Hier zeigt sich wieder einmal Julys Herz für Nebenfiguren. So macht sie Cheryl zur Heldin in einer genauso skurrilen wie zauberhaften Liebesgeschichte.“ (Katharina Döbler, Deutschlandfunk) / „Der Leser muss so selbst ausloten, wie er Cheryl gegenübertritt: Ob er es sich also einfach macht und diese Frau für ziemlich hinüber erklärt. Oder ob er eben doch diese bequeme Position verlässt und überlegt, an welchen Stellen er ihre Bedürfnisse verstehen, sie womöglich sogar in sich selbst wiederfinden kann.“ (Eva Thöne, Spiegel) – Oder, wer so etwas nicht in sich wiederfinden möchte, eine eher negative Kritik: „…die ganze erste Hälfte dieses Romans ist traurig und gleichzeitig hart, sie macht einem schlechte Laune, aber nicht die erhebende schlechte Laune wie früher. Sondern die schlimm verzweifelte schlechte Laune. Als hätte man die fiesesten Geschichten aus Julys Erzählband Zehn Wahrheiten in Dauerschleife gelesen und die tröstenden Sätze herausgestrichen. Sodass nur die Passagen mit den sexuellen Frustrationen und Perversionen übrig blieben, die man fast vergessen hatte vor lauter interessanten Locken und süßen Apps.“ (Lars Weisbrod, ZEIT)

Handlungsorte

»Der beste Film ist immer noch der,
der im Kopf des Lesers abläuft.«

Carlos Ruiz Zafón

Buchdetails

Handlungsorte
Los Angeles
Buchdaten
Titel: Der erste fiese Typ
AutorIn: July, Miranda
Kategorie: Roman / Erzählung von 2015
LeserIn: Faun
Eingabe: 27.03.2026


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