Die Uhr
„Die Uhr“ entstand in den Jahren 1947 bis 1949, wurde aber erst 2005 ins Deutsche übersetzt, was daran lag, dass dieses Buch in Italien für eine Art Skandal gesorgt hatte und in der Folge nur in sehr wenigen anderen Ländern erschienen war. „Es ist die romanhaft aufgebrochene, von imaginären Begegnungen und poetisch überhöhten Episoden durchwebte, aber gerade deshalb um so wahrhaftigere Darstellung ... der Wirklichkeit Italiens ... ein Buch, welches nicht nur das ewige Übel des italienischen Staates, seine Rückgewandtheit, und die Spaltung der Gesellschaft in Nutznießer und Verlierer, in Nord und Süd anprangert, sondern das auch die Akteure des Widerstands nicht verschont und ihnen Versagen und Opportunismus vorhält." (Verena von Koskull im Nachwort zur Aufbau-Taschenbuchausgabe) – Der anonyme Ich-Erzähler (also Carlo Levi selbst) kommt 1945 aus Florenz, wo er sich bis zum Kriegsende vor den Deutschen versteckt hat, ins mehr oder weniger zerstörte Rom, um dort unter schwierigsten Bedingungen eine Zeitung zu leiten. Der neorealistische Stil, der noch das nur fünf Jahre vorher erschienene Werk „Christus kam nur bis Eboli" prägte, wird durch sehr poetische und fast schon magisch-realistische Passagen erweitert, was vor allem in der am Ende des Buches beschriebenen Reise nach Neapel (um einen sterbenskranken Onkel zu besuchen) zum Ausdruck kommt. Legendär ist Levis Abrechnung mit dem italienischen bürokratischen System: „Das Ministerium ist eine Art Tempel, in dem die niederträchtigsten Laster, die drei erbärmlichen Todsünden Faulheit, Geiz und Neid, vergöttert und zur Vollkommenheit gebracht werden. Es sind die drei typischen Laster jenes unfähigen Spießertums, ... das faul ist, weil es nichts kann, das nicht weiß, wie es die Hände, und erst recht nicht, wie es das Gehirn gebrauchen soll, dem jedwede Arbeit schwerfällt ... Alles wird von einem übermächtigen Kastensinn zusammengehalten ... Wenn ihr diese Kreaturen bloß sehen könntet, wie sie auf ihren Stühlen hinter den Schreibtischen sitzen und nichts, rein gar nichts tun, nicht einmal Zeitung lesen, wie sie stundenlang dahocken mit verblödetem Blick, in einer Art Ekstase der Untätigkeit ... und ihr begreift, daß ihr dieser bösartigen Maschinerie kollektiver Schuld nicht entkommen könnt. ... die Spielregeln dieser verdorbenen, schmarotzenden, degenerierten und lasterhaften Welt..." – Eines der wichtigsten und besten Bücher der italienischen Nachkriegsliteratur.Handlungsorte
Top-Suchbegriffe der letzten 24 Stunden
Bolton (Greater Manchester) Das Gedächtnis der Libellen Das München-Komplott Das primäre gefühl der schuldlosigkeit Der grüne Strahl Der Totenschöpfer Der Unberührbare Der Verräter Die heilerin von lübeck Drei frauen auf rügen Florenz Geschichte für einen augenblick Grönland (allg.) Göteborg Göttingen Heimbach, Jürgen Lasker-Schüler, Else Márquez, Gabriel García Nesser, Håkan Neuseeland (allg.) New york Norwegen (allg.) Rüster, Sabine Saarbrücken Sagan, Françoise Saids Geschichte oder der Schatz in der Wüste Schleswig-Holstein (allg.) Schmicker, Jürgen Schmid-Lotz, Christa Schmöe, friederike Schwäbische Alb Sjöwall, Maj Spätzünder Stadt Land Mord Südengland (allg.) Südfrankreich (allg.) Tergit, Gabriele Tromsö Tuxtla Gutiérrez Tödliches Spiel Vonnegut, Kurt Völklingen Würth, Rainer

