Die Hochstapler
Walentin Petrowitsch Katajew (1897-1986) war ein russischer Journalist und Schriftsteller, der bereits ab 1910 Gedichte veröffentlichte und 1916 begann, Kurzgeschichten zu schreiben. 1922 wurde er Mitarbeiter beim Satiremagazin Gudok („Die Pfeife“), u.a. zusammen mit Michail Bulgakow. 1926 erschien sein erster Roman, dessen deutsche Übersetzung, „Die Defraudanten“, 1928 im Zsolnay Verlag erschien. 1973 brachte der Ostberliner Verlag der Nation das Werk neu, aber unter dem Titel „Die Hochstapler“, heraus. Bereits 1929 wurde der Roman als „Die Defraudanten“ von Alfred Polgar dramatisiert und war im Berliner Theaterwinter 1930/31 so erfolgreich, dass er 1931 als „Der brave Sünder“ mit Heinz Rühmann verfilmt wurde. – In der Tradition Gogols, auf den sich mehrfach explizit bezogen wird, erzählt dieser sehr witzige und satirische Roman, wie zwei biedere Kleinbürger, der Hauptbuchhalter und der Kassierer einer Moskauer Firma, mit 12.000 Rubeln aus der Lohnkasse durchbrennen und sich quer durch Russland hochstapeln, saufen, huren und glücksspielen. Dabei werden sie fast bis auf die letzte Kopeke von allerlei zwielichtigen Gestalten der Unterwelt ausgenommen. Im Nachwort der Ostberliner Ausgabe (von Herbert Krempien aus dem Jahr 1970) heißt es dazu: „Als Valentin Katajew 1925/26 seinen satirischen Roman „Die Hochstapler“ schrieb, entsprach die Sowjetunion noch wenig jenen Vorstellungen, die sich für uns heute mit diesem Lande verbinden. Es war die Zeit der sogenannten NÖP, der Neuen Ökonomischen Politik; sie bedeutete nicht nur Duldung, sondern – in abgesteckten Grenzen – auch Förderung privatkapitalistischer Initiative durch die revolutionäre Regierung und, zwangsläufig damit verbunden, ein Wiederaufleben der vor allem in den kleinbürgerlichen Schichten immer noch recht virulenten bourgeoisen Lebensvorstellungen. … Die turbulenten Jahre der NÖP mit ihren ausgeprägten sozialen Spannungen und Widersprüchen fanden in der damals noch jungen Sowjetliteratur eine mannigfache Widerspiegelung. Satirische Darstellungsformen überwogen, denn die Schriftsteller fühlten sich von dem Tanz um das „Goldene Kalb“ … zutiefst abgestoßen. … Katajew karikiert und demaskiert in satirischer Form die ihrer selbst scheinbar so sicheren Kräfte des Gestern mit dem ausdrücklichen Ziel, die breiten Schichten der Werktätigen vor den Illusionen und Verlockungen, die von deren parasitärer Daseinsmoral ausgehen, zu bewahren. Er begnügt sich nicht mit der Negation des Bourgeoisen, sondern will die moralische Stärkung des einfachen Sowjetbürgers, der ja nur wenige Jahre später die grandiosen Fünfjahrespläne in die Tat umsetzen sollte.“ Die Realsatire dieses Nachworts ist fast noch komischer als der sehr lesenswerte kleine Roman (150 Seiten).Handlungsorte
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