Der Fuchs

Nis-Momme Stockmann (geboren 1981 auf Föhr) schreibt seit 2009 Stücke für das Theater, für die er mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. In seinem Debütroman „Der Fuchs“ regiert auf mehr als 700 Seiten der blanke Wahnsinn und man kann nicht sagen, was darin Realität oder Fiktion ist. Fakt scheint zu sein, und damit beginnt das Buch: Am 20. Juli 20212 wird das nordfriesische Kaff Thule (genau, die sagenumwobene Insel am nördlichen Rand der Welt) wegen einer defekten Schleusenanlage von einer Flut apokalyptischen Ausmaßes überschwemmt. Dieser Sintflut geht eine ebenso apokalyptische Junikäferplage vorher, überhaupt ziehen sich diverse Massenkäfererscheinungen durch das Buch, jede Menge Blut gibt es auch, sowie reichlich Eiter und sonstige Körperabsonderungen, abgetrennte Gliedmaßen, mehrere Selbstmorde und sonstige grausame bzw. merkwürdige Todesfälle. Mitten in der Flut sitzt die ich-erzählende Hauptfigur auf einem Hausdach, zwischen umherschwimmenden Leichen, ein junger, autistischer (?) Mann namens Finn Schliemann, zusammen mit zwei Freunden (?), einer wenig ergiebigen Notfallkiste und einer Schrotflinte. In Rückblenden wird erzählt, wie sich der Weltuntergang in Finns Jugend angebahnt hat, die „Götterstrafe für all diesen Firlefanz. … Diese bodenlose Schamlosigkeit. Diese Geschmacklosigkeit. … Wir haben es übertrieben, und das wissen wir.“ Die ersten ca. 130 des Romans Seiten sind hervorragend erzählt, sprachlich glänzend usw. Dann macht sich der galoppierende möbiusbandartige Wahnsinn breit, ähnlich wie in der US-amerikanischen TV-Serie „LOST“. Der junge Finn wird von der aus dem Nichts auftauchenden Katja vor den Baschis gerettet, drei ultrasadistische, vom saufenden Neonazivater regelmäßig misshandelten Brüdern, die für Angst und Schrecken bei der Jugend und Tierwelt Thules sorgen. Diese hellseherische (?) Katja ist einer Art Weltverschwörung auf der Spur (?) und macht den rettungslos verliebten Finn zu ihrem Komplizen. Später erfährt man, dass sie in einer psychiatrischen Klinik gelandet ist (?), wo sie Finn besucht. In den ganzen Wahnsinn wird auch immer wieder eine babylonische Göttergeschichte mit den Protagonisten Abzu, Marduk und Tiamat hineingestreut, warum auch immer!? Rein optisch werden die verschiedenen Erzählebenen des Buches stellenweise durch vertikale Linien, die sich über die Seiten hinziehen, und unterschiedlich wechselnde Absatzeinzüge verdeutlich (oder auch verschleiert). Der Roman ist auf jeden Fall in vielerlei Hinsicht äußerst originell und deshalb durchaus lesenswert, auch wenn man nach der Lektüre mit einigen Fragezeichen von apokalyptischer Tragweite zurückbleibt.

Handlungsorte

»Die weitesten Reisen unternimmt
man mit dem Kopf.«

Joseph Conrad

Buchdetails

Handlungsorte
Nordfriesland (allg.), Schleswig, Leck, Kiel
Buchdaten
Titel: Der Fuchs
Kategorie: Roman / Erzählung von 2012
LeserIn: Faun
Eingabe: 20.08.2026


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