Zwei Wochen am Meer

Der englische Autor R. C. Sherriff (1896-1975) schrieb hauptsächlich Theaterstücke und Drehbücher, aber auch einige Romane. Seine Filmskripte wurden mit Preisen ausgezeichnet und waren für den Oscar nominiert. Die Idee zu seinem ersten Roman, „The Fortnight in September", entstand während eines Urlaubs in Bognor, wo er Leute am Meer beobachtete und sich Geschichten zu ihnen ausdachte. - Das Buch handelt von der kleinbürgerlichen Londoner Familie Stevens, die seit den Flitterwochen vor zwanzig Jahren in jedem September ihren Urlaub in der etwas schäbigen Pension „Seaview" am Strand von Bognor verbringt. Die Eltern haben im Laufe der Jahre mit ihren Kindern Mary (20), Dick (17) und Ernie (10) einen minutiösen, generalstabsmäßigen Plan zur Vorbereitung und zum Ablauf der Reise und des Urlaubs erarbeitet. Voller Vorfreude zählt man die Tage bis zum Urlaub, macht sich aber auch einige Sorgen darüber, ob der Plan reibungslos funktionieren wird und man bei der Vorbereitung auch nichts vergessen hat. Ebenso im Detail wird die kurze Zugreise von London bis zur Küste geschildert, fast schon wie ein kleines, aber auch routiniertes Abenteuer. Schon beim letzten Zwischenhalt kann man das Meer riechen und bald bezieht man die Zimmer im gemieteten Stockwerk der kleinen Pension. Dann beginnt das Genießen der kleinen, einfachen Freuden am Strand, der kleine Luxus des Mietens einer kleinen Strandhütte, die Sonne, das Braunwerden, das Schwimmen und Treibenlassen im Meer, Drachensteigenlassen, Cricket im Sand, das abendliche Flanieren auf der Promenade, das tägliche Konzert einer Militärkapelle, das Essen, die Gerüche, die Farben, das Licht. Doch in diese nostalgischen Gefühle des Urlaubs und der Erholung vom Alltag mischen sich die Sorgen eines jeden Familienmitglieds: Mutter Flossie hat eigentlich eine heimliche Furcht vor dem Meer und muss sich jedes Mal überwinden, wenn sie mit den anderen ins Wasser geht. Vater Ernest ist sich nicht sicher, ob er am letzten Arbeitstag die Bestellung eines wichtigen Kunden auf den Schreibtisch des Kollegen gelegt hat, vielleicht hat sich der Kunde inzwischen beschwert und es droht gar die Kündigung? Mary wünscht sich sehnlichst, endlich mal eine Freundin zu finden und Männer kennenzulernen, doch sie wird von Minderwertigkeitskomplexen geplagt. Dick fühlt, dass der Beruf, den er kürzlich ergriffen hat, nichts für ihn ist, und will daher während des Urlaubs seine Zukunft überdenken. Ernie schließlich ist empört, dass man ihn in einen zu engen Anzug steckt, weil Familie Stevens schließlich von dem oben erwähnten Kunden, der sich zufällig am selben Ort kürzlich eine Strandvilla zugelegt hat, zum Essen eingeladen wird. Keine willkommene Abwechslung, sondern eine gezwungene, unerwünschte Unterbrechung des Urlaubs bei einem unsympathischen Gastgeber, der mit seinem Reichtum protzt, die wundervolle Welt am Meer überhaupt nicht zu würdigen weiß und dessen verhärmte Ehefrau sichtlich keinen Wert auf diese Gesellschaft legt. Dazu kommt eine gewisse Stimmung der Wehmut, weil dies der letzte Urlaub sein könnte, den alle fünf Familienmitglieder zusammen verbringen werden. - Sherriff erzählt das alles mit einer einfachen und klaren, aber auch eleganten Sprache und mit feinem Humor, immer wieder gekonnt zwischen den Perspektiven der fünf Familienmitglieder wechselnd. Ein ganz wunderbares Buch, nicht nur als Strandlektüre geeignet.

Handlungsorte

»Bücher haben die Macht, einen ganz gewöhnlichen Ort mit der Aura des Besonderen zu umgeben.«
Paul Theroux

Buchdetails

Handlungsorte
London, Dorking, Horsham, Ford (West Sussex), Arundel (West Sussex), Bognor Regis, Singleton
Buchdaten
Titel: Zwei Wochen am Meer
Kategorie: Roman / Erzählung von 1931
LeserIn: Faun
Eingabe: 01.10.2026


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