Wo andere Leute wohnen

Die Originalausgabe erschien 1964 unter dem Titel "Other Peoples Houses", eine deutsche Ausgabe erstmals im Jahre 2000. Es ist ein stark autobiographisch geprägter Roman. Die Autorin gehörte zu denjenigen jüdischen Kindern, die noch vor Kriegsbeginn im September 1939 nach Großbritannien einreisen und so der Deportation der Nazis entgehen konnten. Ihre Eltern folgen als "married couple" nach und kommen als Hausbedienstete und Butler/Gärtner unter. Die nächsten Jahre sind geprägt durch häufige Ortswechsel, die Familienbande werden geschwächt. Der Vater zerbricht an den Lebensumständen, die Mutter schlägt sich als Köchin und Pflegerin durch. Lore studiert an einem Londoner College Englisch. Nach dreijährigem Zwischenaufenthalt in der Dominikanischen Republik, wo die Familie wieder ein kleines Geschäft betreibt, kommen 1951 schließlich Onkel Paul, die Großmutter, die Mutter und Lore in New York an. Lore arbeitet sich langsam nach oben... Handlungsorte in Österreich: Wien, Fischamend, Großbritannien: Liverpool, Illford Village, Mellbridge, Alchester, London, Dominikanische Republik: Sosua, Santiago de los Caballeros, Ciudad Trjillo ( heute Santo Domingo), USA: New York

Handlungsorte

»Man vertraut einer Landschaft wie einem Freund.«
Thomas Hettche

Buchdetails

Handlungsorte
Wien, Fischamend, Liverpool, London, Santo Domingo de la Calzada, Sosúa, Santiago de los Caballeros
Buchdaten
Titel: Wo andere Leute wohnen
AutorIn: Segal, Lore
Kategorie: Roman / Erzählung von 2000
LeserIn: Günter H.
Eingabe: 22.12.2015
Kurzbeschreibung
Als Nazideutschland 1938 Österreich sich einverleibt, ist vielen der dort lebenden Juden klar, dass sie sich in Sicherheit bringen müssen. Großbritannien wird wegen der im Vergleich geringen Einwanderungsbeschränkung ein bevorzugtes Ziel. Mithilfe eines Flüchtlingskomitees gelangt die zehnjährige Lore nach England, ihre Eltern und näheren Verwandten folgen nach und kommen als Hausbedienstete oder Gärtner unter. Die nächsten Jahre sind geprägt durch häufige Ortswechsel, die Familienbande werden nie wieder so stark wie früher. Der Vater zerbricht an den Lebensumständen, die Mutter schlägt sich als Köchin durch und Lore studiert an einem Londoner College Englisch -- der Grundstein für ihre spätere Karriere als Sprachlehrerin und Schriftstellerin. Nach dreijährigem Zwischenaufenthalt in der Dominikanischen Republik kommen 1951 schließlich alle in New York an.

Lore Segal ist Jüdin. Dennoch gehört ihre (missverständlich als Roman ausgewiesene) Lebenserinnerung nicht zur "typischen" Holocaust-Literatur, sie ist vielmehr Exil-Literatur: der Bericht über eine schwierige Kindheit und Jugend vor dem Hintergrund der durch Flucht vor den Nazis verursachten Zerrüttung der Familie. In Wien war Lores engerer Kreis ohnehin das assimilierte, mondäne Judentum -- "Feiertagsjuden", wie die Orthodoxen sagen würden.

Segal erzählt auffällig distanziert, manchmal ziemlich blutleer. Die Ereignisse in der Heimat bleiben im Hintergrund, erscheinen als Schemen in einem undeutlichen Albtraum. Doch die Wirklichkeit des täglichen Lebens wird dadurch auch nicht bunter: Zuviel banales Einerlei überdeckt Lores Vorstellung von Zukunft. Ein Lichtblick ist die eindringliche Schilderung der Großmutter, im Buch eine der wenigen Personen aus Fleisch und Blut. Hier spürt man die warme Nähe der Autorin. Ansonsten verlangt Wo andere Leute wohnen von den Lesern einiges an Geduld. --Jürgen Grande



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