Krieg und Frieden: Die Urfassung

Krieg und Frieden treffen in der Urfassung dieses monumentalen Romans als gegensätzliche Kräfte und Welten aufeinander, die das Schicksal ihrer Hauptfiguren in der Zeit der Napoleonischen Kriege bestimmen. Das pralle Leben der "Friedensepisoden" – Familienfeste, Duelle, Geburten und Sterbeszenen –, steht der Mechanik des Krieges mit seinen Truppenschauen, Märschen und Lagebesprechungen gegenüber. Hier wie dort dringt Tolstoi hinter die Oberfläche einer historisch authentischen Abfolge der Geschehnisse und fördert zutage, was den Menschen allein ausmacht: sein Charakter und sein Handeln.

Handlungsorte

»Man vertraut einer Landschaft wie einem Freund.«
Thomas Hettche

Buchdetails

Handlungsorte
Moskau, St. Petersburg (Leningrad), Tula, Braunau am Inn, Brno, Etzelsdorf, Grund, Guntersdorf, Schöngrabern, Hollabrunn, Olomouc (Olmütz), Vyškov (Wischau), Austerlitz, Krenovice, Pozorice, Šlapanice, Pracký kopec (Pratzen), Velké Hosterádky, Mieroszów (Friedland), Oltenita, Memel (Fluss), Vilnius (Wilna), Drissa (Fluss), Smolensk, Moschaisk, Borodino, Tambow, Tarutyne
Buchdaten
Titel: Krieg und Frieden: Die Urfassung
AutorIn: Tolstoi, Leo
Kategorie: Roman / Erzählung von 1867
LeserIn: Faun
Eingabe: 22.08.2018
Kurzbeschreibung
Alle Freunde der großen russischen Literatur des 19. Jahrhunderts müssen sich mit einer traurigen Wahrheit vertraut machen: Krieg und Frieden von Leo Tolstoi hat es nie gegeben! Es existieren nur verschiedene Fassungen, von denen die uns bekannte eine (mehr oder weniger bunte) Mischung ist: Der Text stammt aus den ersten beiden Ausgaben von 1868/69, vermischt mit den Korrekturen und der Kapiteleinteilung der dritten Ausgabe von 1873.

Erstmals aber hatte Tolstoi sein Mammut-Epos 1866 für beendet erklärt und dann doch noch mit Änderungen versehen, die das Opus auf das Doppelte des ursprünglichen Umfangs anschwellen ließen. Zahlreiche Exkurse zur Geschichtsphilosophie und Zeitpolitik wurden aufgenommen, die Napoleon-Begeisterung der Urfassung zugunsten einer politisch legitimeren Darstellung geglättet. Das hat Krieg und Frieden zum einen sicher interessanter und fassettenreicher, zum anderen aber auch vom Erzählstil etwas träger und von der Figurenzeichnung etwas einseitiger werden lassen. Denn viele satirische und groteske Züge kommen in den späteren Druckfassungen nicht mehr zum Tragen.

Was Krieg und Frieden verlor und was es durch die Überarbeitungen gewann, kann nun jeder in der laut Verlagswerbung mühsam "rekonstruierten Urfassung" nachlesen -- wobei das Attribut schon ankündigt, dass es sich dabei keineswegs um die einzig autorisierte Urfassung handeln muss. Dennoch bekommt man einen schnellen, überraschenden und ebenfalls nicht gerade dünnen Roman zu lesen, der nicht nur einen klareren Einblick gibt in die Tolstoi'sche Psyche, sondern auch aufwartet mit einem neuen (also eigentlich ja alten) Schluss. Mehr wird aber nicht verraten. --Thomas Köster



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