Literaturlandkarte

21.08.2006

Nun, der Begriff ist doch etwas irreführend: hier werden Autoren zwar grafisch als Netzwerk dargestellt, aber nicht auf einer Karte im geographischen Sinne. Die Distanz zwischen den Autoren spiegelt dabei die Präferenz der User bzw. Leser wider. Das Prinzip ähnelt dabei dem bekannten Service "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch folgende Produkte".


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Heidiland

14.08.2006

Kaum eine Region ist so stark als literarischer Handlungsort markiert wie der Kanton Graubünden durch die zwei Heidi-Romane aus den Jahren 1880 und 1881 von Johanna Spyri. Hier ein kleiner Auszug: "Jetzt fiel ein roter Schimmer vor seinen Füßen auf das Gras, es kehrte sich um, da – so hatte es die Herrlichkeit nicht mehr im Sinn gehabt und auch nie so im Traum gesehen – die Felshörner am Falknis flammten zum Himmel auf, das weite Schneefeld glühte und rosenrote Wolken zogen darüber hin; das Gras rings auf der Alm war golden, von allen Felsen flimmerte und leuchtete es nieder und unten schwamm weithin das ganze Tal in Duft und Gold." Herrlich, sagten sich anscheinend auch die lokalen Verantwortlichen und nannten die Region um Maienfeld kurzerhand „Heidiland“ - inklusive Heidi-Erlebnisweg, Heidi-Musical, Heididorf und der Heidicard. Suggestion ist hier das Stichwort, denn die Region dürfte mittlerweile etwas anders aussehen als vor 130 Jahren. Aber vielleicht ist es sogar eine Win-Win-Situation, und die Spyri-Literatur wie auch die Region profitieren von der Namensgebung– rein ökonomisch allerdings. Von der einheimischen Bevölkerung wird der Markenname übrigens abgelehnt.


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Nomaden mit den Augen

12.08.2006

"Perfekte Ferien langweilen", schreibt Paolo Bianchi in seinem Versuch über das Reisen und Ruhen (Kunstforum Bd. 136). Weiter: "Oft ist es viel spannender, lesend zu reisen, als sich der Reisebewegung selbst hinzugeben. Lesende sind Nomaden mit den Augen." Ein guter Satz, wie ich finde, in einem wunderbaren Band über die Ästhetik des Reisens.


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Reporter-Fiesta

10.08.2006

Fussballreporter kommentieren i.A. nicht nur das Geschehen auf dem Platz, sondern versorgen die Zuschauer auch mit allerlei Metainformationen. Gestern beim Spiel Hamburger SV gegen den CA Osasuna gab es eine wunderliche Randbemerkung. Der Reporter erklärte nämlich, dass die Gastmannschaft aus dem spanischen Pamplona stamme, das durch Ernest Hemingways Roman "Fiesta" allgemein bekannt sein dürfte.
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Heimatort 1

08.08.2006

Gabriel García Márquez wurde am 6. März 1927 oder 28 in Aracataca, einer nordkolumbianischen Kleinstadt geboren. Im Jahre 1967 siedelte er seinen Welterfolg "Hundert Jahre Einsamkeit" in eben dieser Kleinstadt an - allerdings inkognito, denn im Roman heißt die Stadt "Macondo". Der Bürgermeister der Stadt erinnerte sich jüngst an diesen Umstand und rief die Bevölkerung auf, für eine Umbennung zu stimmen. Er versprach sich wahrscheinlich einen Bedeutungszuwachs und in der Folge wachsende Einnahmen im Tourismusgeschäft. Nur sein Volk machte nicht mit. Es lehnte den Antrag ab, in dem es mehrheitlich nicht an die Urnen ging. Und vielleicht dachten sie dabei auch an Márquez, der sich bei der Wahl eines fiktionalen Handlungsortes schon etwas gedacht haben wird.
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Gebrauchsanweisung

04.08.2006

Verena Lueken empfiehlt in ihrer Gebrauchanweisung für New York Bücher, die ihr Verständnis von New York vertieft haben. Mit wenigen Ausnahmen sind das Romane, "weil in ihnen die Stadt in ihren vielen Facetten und ihre Bewohner mit den typischen Eigenheiten lebendiger werden als in Sachbüchern über Spezialgebiete wie Stadtplanung, Müllentsorgung und Wasserwirtschaft". Passend dazu: Der Rowohlt-Verlag hat für die hauseigenen New York-Romane eine Website eingerichtet. Sie verspricht eine literarische Reise von Brooklyn bis Manhattan.


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»Heimat entdeckt man erst in der Fremde.«
Siegfried Lenz

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